Der Online-Rechner meldet „27,8 – Übergewicht“, dabei passt die Hose von vor fünf Jahren noch. Oder umgekehrt: Der BMI liegt im grünen Bereich, aber der Gürtel braucht ein neues Loch. Beide Zahlen stimmen, sie messen nur Verschiedenes. Dieser Text erklärt Erwachsenen, was Body-Mass-Index und Taillenumfang über das Gesundheitsrisiko verraten, wie Sie zu Hause richtig messen und bei wem die Werte in die Irre führen.

Mann misst zu Hause mit einem Maßband seinen Taillenumfang

Zwei Zahlen, zwei Fragen

Der BMI beantwortet die Frage, ob das Gewicht zur Körpergröße passt. Der Taillenumfang beantwortet eine andere: Wo sitzt das Fett? Für Herz und Stoffwechsel ist das die wichtigere Auskunft, denn Fett im Bauchraum, zwischen den Organen, ist ungünstiger als Polster an Hüften und Oberschenkeln.

Die deutsche S3-Leitlinie zur Adipositas verlangt deshalb beides. Ab einem BMI von 25 soll nach ihrer Empfehlung zusätzlich die Taille gemessen werden. Ein Maßband genügt.

Den BMI ausrechnen und einordnen

Die Formel: Körpergewicht in Kilogramm, geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Wer 85 kg wiegt und 1,75 m groß ist, rechnet 85 : (1,75 × 1,75) = 85 : 3,06 und landet bei rund 27,8.

Die Weltgesundheitsorganisation teilt die Werte für Erwachsene so ein:

  • unter 18,5 – Untergewicht;
  • 18,5 bis 24,9 – Normalgewicht;
  • 25 bis 29,9 – Übergewicht, in der Fachsprache Präadipositas;
  • 30 bis 34,9 – Adipositas Grad I;
  • 35 bis 39,9 – Adipositas Grad II;
  • ab 40 – Adipositas Grad III.

Die Grenzen sind keine Klippen. Zwischen 24,8 und 25,2 passiert im Körper nichts Besonderes; die Stufen beschreiben, wie das Risiko für Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Durchschnitt großer Gruppen mit dem Gewicht ansteigt. Für den Einzelnen ist der BMI ein Suchtest. Eine Diagnose ist er nicht.

Die Taille richtig messen

Hier passieren die meisten Fehler, und sie machen schnell drei, vier Zentimeter aus. Die Hosenweite taugt nicht als Ersatz: Hosen sitzen meist tiefer, und die Konfektionsgrößen der Hersteller weichen voneinander ab.

  1. Stellen Sie sich aufrecht hin, Füße hüftbreit, Bauch frei oder nur im dünnen Unterhemd.
  2. Tasten Sie an der Seite den unteren Rand der letzten Rippe und den oberen Rand des Beckenknochens. Die Messstelle liegt in der Mitte dazwischen – bei vielen etwas oberhalb des Nabels.
  3. Legen Sie das Maßband waagerecht um den Körper. Es liegt an, schneidet aber nicht ein.
  4. Atmen Sie normal aus und lesen Sie ab. Nicht den Bauch einziehen.

Messen Sie morgens vor dem Frühstück und immer an derselben Stelle. Ein Spiegel hilft zu prüfen, ob das Band hinten nicht verrutscht ist.

Ab wann der Bauchumfang zum Risiko wird

Für Erwachsene europäischer Herkunft gelten nach WHO und S3-Leitlinie zwei Schwellen. Ab 80 cm bei Frauen und 94 cm bei Männern ist das Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Ab 88 cm bei Frauen und 102 cm bei Männern ist es deutlich erhöht; die Leitlinie spricht dann von abdominaler Adipositas.

Dass Frauen und Männer verschiedene Grenzen haben, liegt am Körperbau: Männer lagern Fett eher am Bauch ein, Frauen bis zu den Wechseljahren eher an Hüfte und Oberschenkeln. Danach verschiebt sich die Verteilung auch bei ihnen häufig zur Körpermitte, selbst wenn die Waage dasselbe zeigt.

Manche Ärzte setzen die Taille zusätzlich ins Verhältnis zur Körpergröße. Die Faustregel dazu lautet: Der Taillenumfang sollte weniger als die Hälfte der Körpergröße betragen. Die S3-Leitlinie arbeitet mit dem Taillenumfang selbst.

Wo der BMI danebenliegt

Die Waage unterscheidet nicht zwischen Muskeln, Fett und Wasser. Daraus ergeben sich typische Fehleinschätzungen.

  • Viel Muskulatur. Wer seit Jahren Kraftsport treibt oder körperlich schwer arbeitet, kommt mit schmaler Taille auf einen BMI von 27 oder 28. Das Maßband klärt die Lage.
  • Wenig Muskulatur. Der umgekehrte Fall wird öfter übersehen: normaler BMI, dünne Arme und Beine, aber ein deutlicher Bauch. Das Risiko kann hier trotz „Normalgewicht“ erhöht sein.
  • Höheres Alter. Mit den Jahren schwindet Muskelmasse, und die Körpergröße nimmt ab. Der BMI sagt bei älteren Menschen deshalb weniger aus; ungewollter Gewichtsverlust ist bei ihnen oft das größere Problem als ein paar Kilo zu viel.
  • Wassereinlagerungen. Ödeme bei Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen treiben das Gewicht hoch, ohne dass Fett dazugekommen ist.
  • Herkunft. Bei Menschen asiatischer Abstammung steigt das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schon bei niedrigeren BMI-Werten, darauf hat eine WHO-Expertengruppe 2004 hingewiesen.

Gar nicht anwendbar sind die Erwachsenen-Grenzen in der Schwangerschaft sowie bei Kindern und Jugendlichen. Für Heranwachsende nutzen Kinderärzte alters- und geschlechtsabhängige Perzentilkurven.

Vier Kombinationen und was aus ihnen folgt

BMI normal, Taille unauffällig. Kein Anlass für eine Diät. Auch dann nicht, wenn Ihnen das Spiegelbild nicht gefällt.

BMI normal, Taille über der Schwelle. Ein Grund, beim nächsten Check-up Blutdruck, Blutzucker und Blutfette bestimmen zu lassen und sich mehr zu bewegen. Bewegung verändert die Körpermitte oft, bevor die Waage reagiert; wie viel davon sinnvoll ist, steht im Beitrag Bewegung beim Abnehmen: Wie viel ist sinnvoll?.

BMI 25 bis 29,9. Hier entscheidet das Drumherum. Die Leitlinie empfiehlt eine Behandlung, wenn Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes vorliegen oder das Fett vor allem am Bauch sitzt. Fehlt beides, lautet das Ziel zunächst: nicht weiter zunehmen.

BMI ab 30. Ab diesem Wert rät die Leitlinie generell zur Gewichtsreduktion, am besten mit ärztlicher Begleitung. Als Erfolg gelten dabei schon mehr als 5 % des Ausgangsgewichts in sechs bis zwölf Monaten. Den Weg dorthin beschreibt der Überblick Gesund abnehmen: Was wirklich hilft und was nicht.

Wie oft messen?

Die Taille ändert sich langsam. Einmal im Monat reicht, wer abnimmt, kann alle zwei Wochen nachmessen. Tägliches Messen bildet vor allem ab, was Sie am Vorabend gegessen haben.

Notieren Sie die Werte mit Datum. Zwei Zentimeter weniger an der Taille bei unverändertem Gewicht sind ein echter Fortschritt, den die Waage verschweigt – etwa wenn Sie mit Krafttraining begonnen haben und Muskulatur dazukommt.

Wann Sie sofort zum Arzt sollten

BMI und Maßband sind Werkzeuge für den Hausgebrauch. In diesen Fällen gehört die Einordnung in ärztliche Hand:

  • Sie verlieren über Wochen deutlich an Gewicht, ohne es zu wollen;
  • der Bauchumfang nimmt innerhalb weniger Tage oder Wochen spürbar zu, der Bauch spannt oder die Beine schwellen an;
  • das Gewicht steigt rasch, obwohl Sie nicht anders essen als sonst, dazu kommen Atemnot beim Liegen oder bei geringer Belastung;
  • Ihr BMI liegt unter 18,5 und Sie fühlen sich schwach, frieren ständig oder die Regelblutung bleibt aus;
  • Sie wiegen oder messen sich mehrmals täglich, und das Ergebnis bestimmt Ihre Stimmung und Ihr Essen.

Bei plötzlicher starker Atemnot oder Brustschmerzen wählen Sie den Notruf 112.

Häufige Fragen

Was zählt mehr – BMI oder Taillenumfang?

Keiner ersetzt den anderen. Der BMI gibt die grobe Richtung vor, die Taille zeigt, ob das Gewicht am Bauch sitzt. Weichen beide voneinander ab, ist der Taillenumfang für das Herz-Kreislauf-Risiko meist die aufschlussreichere Zahl.

Sind Körperfettwaagen genauer?

Geräte für zu Hause schätzen den Fettanteil über den elektrischen Widerstand des Körpers. Das Ergebnis schwankt mit dem Wasserhaushalt, der Tageszeit und der letzten Mahlzeit. Für den Verlauf über Monate kann es einen Hinweis geben, wenn Sie immer unter gleichen Bedingungen messen; die Leitlinie stützt sich auf BMI und Taillenumfang.

Mein BMI ist normal, aber der Bauch wächst. Muss ich abnehmen?

Nicht unbedingt auf der Waage. Mehr Bewegung, weniger Alkohol und weniger zuckerhaltige Getränke setzen eher an der Körpermitte an als eine strenge Diät. Lassen Sie Blutdruck und Blutwerte kontrollieren, wenn die Taille über 88 beziehungsweise 102 cm liegt.

Gibt es ein „Idealgewicht“?

Die Leitlinie nennt keines. Der Normalbereich von 18,5 bis 24,9 ist bei 1,75 m Körpergröße rund 20 Kilogramm breit – irgendwo darin liegt das Gewicht, das Sie ohne ständigen Verzicht halten können.

Lesen Sie auch

Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

  1. Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM). Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur „Prävention und Therapie der Adipositas“. AWMF-Register Nr. 050-001, 2014.
  2. World Health Organization. Obesity: preventing and managing the global epidemic. Report of a WHO Consultation. WHO Technical Report Series 894. Geneva, 2000.
  3. World Health Organization. Waist circumference and waist–hip ratio: report of a WHO expert consultation, Geneva, 8–11 December 2008. Geneva, 2011.
  4. WHO Expert Consultation. Appropriate body-mass index for Asian populations and its implications for policy and intervention strategies. Lancet. 2004;363(9403):157–163.